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Dienstag, 20. Mai 2003

 

Krititk zu Konzert mit Nadjeschda Bagger

Die erst 15-jährige Nadjeschda Bagger ist mehrfache Preisträgerin bei „Jugend musiziert" und seit diesem Jahr Mitglied des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg. Sie beherrscht ihr Instrument virtuos, was bei Mozarts Violinkonzert in D-dur zum Ausdruck kam.

 

Furiose Parade junger musikalischer Talente

 

Jugendsinfonieorchester Karlsruhe gastierte in der Großen Kreisstadt - Eindrucksvolles Spiel der Solisten - Open Air in Allee fiel ins Wasser

Sinsheim. (tk) Das Gastspiel des Jugend-Sinfonieorchesters Karlsruhe war als Open-Air-Konzert in der sonnigen Allee vorgese­hen. Doch se'hr wechselhaftes Wetter mit starken Regengüssen machte der Veranstal­tung in diesem Punkt einen Strich durch die Rechnung. Man wich auf die Stadthalle aus.

Die vergleichsweise ungünstigen Rahmen­bedingungen drückten die Besucherzahlen, so dass nur rund 150 Gäste in den Genuss ei­nes absolut hochwertig-professionellen Kon­zertes kamen. Der übersprudelnden Spielfreude der fast 30 Musiker um Dirigent Riza Yildiz tat dies jedoch keinen Abbruch, und wer die Augen zur Musik schloss, konnte sich mit etwas Phantasie aus dem Dämmer­licht der Stadthalle in die „sonnige" Allee hineinversetzen.

Große Stücke ebensolcher Komponisten standen auf dem Programm: Haydns „Sieben Worte Jesu Christi", Mozarts Konzert für Violine D-dur KV. 294 a, das Konzert für Violoncello in d-moll von Edouard Lalo sowie Schuberts Sinfonie Nr. 7 h-moll. Auf einen Nenner gebracht: schwieriger Stoff für die Musiker, der den Zuhörer trotz der durchweg komplexen und sehr dichten Arrangements nicht überfordert, verschiedendste Stimmungen widerspiegelt und durchweg eingängig daherkommt.

Lupenreine Einsätze und viel Gefühl für die jeweilig dargebotenen Stücke gehören eindeutig zu den Stärken der durchweg jun­gen Musiker. Auch ein gewisses Improvisationstalent kam beim Saitenriss einer der Streicherinnen zum Ausdruck: In beachtlichem Tempo nahm sich Maestro Yildiz dem Problem mit einem Lächeln auf den Lippen an, in Minuterischnelle war es aus der Welt geschafft. Ein charmanter Patzer, der vom Publikum wohlwollend aufgenommen wurde.

Im Mittelpunkt des Geschehens standen ohne jeden Zweifel die beiden Solisten: Nadjeschda Bagger (Violine) und Tobias Krutz (Violoncello) sind wohl das, was man gemeinhin als Ausnahmetalente bezeichnen würde: Die erst 15-jährige Nadjeschda Bagger ist mehrfache Preisträgerin bei „Jugend musiziert" und seit diesem Jahr Mitglied des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg. Sie beherrscht ihr Instrument virtuos, was bei Mozarts Violinkonzert in D-dur zum Ausdruck kam. Dezenter Einsatz der Bläsersektion, getragenes Streicherfundament - sie sind lediglich der Hintergrund zum einfühlsamen und gleichermaßen temperamentvollen Solospiel der jungen Musikerin.

 

Augenscheinlich stimmt auch die Chemie zum Maestro: Es entsteht der Eindruck eines ständigen, nonverbalen Dialoges zwischen dem Dirigenten und sei­ner Solistin. Nicht minder furios war daher auch der stürmische Beifall, den beide dafür ernteten. Tobias Krutz, 18 Jahre alt, am Violoncello war der zweite junge Meister im Konzertprogramm'. Wie seine Mitmusikerin Nadjeschda Bagger setzte auch er durch sein virtuoses Spiel deutliche Akzente: Das getragene Konzert für Violoncello d-moll aus der Feder des Franko-Spaniers Lalo

war seh- und hörbar sein Element, wieder ein Universum an musikalischen Eindrü­cken, wieder stürmischer Beifall. Auch Tobi­as Krutz hat Erfahrungen bei „Jugend musi­ziert" gesammelt. Momentan verfeinert er sein Spiel in einer Ausbildung beim Meis­ter Wolf Günther Schreer, in „diapason", einem Förderzentrum für junge Streichertalente.

Alles in allem ein besonderes, musikalisches Erlebnis, das auch in der Allee kaum perfekter hätte sein können.

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